Neun funkelnde Sterne, die sich durch das Haar von Kaiserin Elisabeth ziehen: Franz Xaver Winterhalters Porträt von 1865 machte die Kaiserin und ihren außergewöhnlichen Haarschmuck weltberühmt.

Hinter den Sternen steht ein Name, der eng mit der Geschichte des Wiener Kaiserhauses verbunden ist: A. E. Köchert. 27 Diamantsterne ließ Kaiser Franz Joseph beim Wiener Hof- und Kammerjuwelier für seine „Sisi“ anfertigen. Elisabeth konnte die einzelnen Sterne nicht nur im Haar tragen, sondern auch als Broschen, Anhänger, Collier oder Diadem kombinieren.
Köchert gibt es noch immer. Das Haus wurde 1814 gegründet und wird heute in sechster Generation von den Brüdern Florian und Christoph Köchert und ihrem Großcousin Wolfgang Köchert geführt. Die Zeiten, in denen Kaiserinnen die Aufträge erteilten, sind vorbei. Die Herausforderung, aus einem besonderen Wunsch ein außergewöhnliches Schmuckstück zu machen, ist geblieben.

Wenn die Kaiserin nicht enttäuscht werden darf
Wie anspruchsvoll ein Auftrag des Kaiserhauses sein konnte, zeigt eine Geschichte aus dem Jahr 1888: Kaiserin Elisabeth besaß ein von Alexander Emanuel Köchert gefertigtes Weinlaubdiadem. Für den Besuch des deutschen Kaisers wollte sie das Schmuckstück kurzfristig grundlegend umarbeiten lassen und beauftragte damit Alexander Emanuels Sohn Heinrich Köchert. Viel Zeit blieb der Werkstatt nicht. Doch das Diadem wurde rechtzeitig fertig.
„Die zeitgerechte Fertigstellung stellte unsere Werkstatt gehörig auf die Probe und machte zahlreiche Überstunden nötig. Schließlich gelang es jedoch mit vereinten Kräften, das Diadem zeitgerecht fertigzustellen – schließlich konnte man die Kaiserin nicht enttäuschen“, erzählt Christoph Köchert.
Man kann sich heute kaum vorstellen, was dieser Satz damals bedeutete. Ein kaiserlicher Wunsch war kein Auftrag wie jeder andere. Und wenn ein Schmuckstück zu einem bestimmten Termin gebraucht wurde, gab es wenig Spielraum für Verzögerungen. Mehr als ein Jahrhundert später hat sich der Kunde verändert. Die Herausforderung ist ähnlich geblieben: Aus einem besonderen Wunsch muss ein fertiges Schmuckstück werden. Auch dann, wenn die Idee ungewöhnlich oder technisch schwierig ist.
Wenn der Kunde mit einem Latschenkranz kommt
Noch immer kommen die Kunden mit eigenen, mitunter höchst ungewöhnlichen Ideen. Das Latschendiadem etwa begann mit einem Jagdausflug. Ein Kunde und guter Freund des Hauses nutzte die lange Wartezeit am Hochsitz, um einen Kranz aus Latschenkiefer für seine Frau zu flechten. Aus diesem persönlichen Moment entstand die Idee für ein Diadem.

„Es geschieht durchaus häufiger, dass Kunden sich mit außergewöhnlichen Wünschen an uns wenden. Nach persönlichen Gesprächen und Beratungen mit unseren umsetzenden Goldschmieden entstehen die jeweiligen Projekte dann nach den Vorstellungen der Auftraggeber“, erklärt Wolfgang Köchert.
Manchmal ist der Weg dahin allerdings deutlich komplizierter als bei einem Diadem aus Latschenkiefer.
700 Arbeitsstunden für eine Idee
Das zeigt Fortuna’s Gemini nach den Entwürfen von Mathias Leberbauer. Die Aufgabe: technisch komplexe, aufklappbare Verlobungsringe sollten sich zu einem Kunstobjekt und Collier verbinden lassen. Mehr als 700 Arbeitsstunden waren dafür nötig. Die Goldschmiede fertigten mehr als 80 Einzelteile von Hand.
Für Wolfgang Köchert liegt genau darin eine Herausforderung: „Manche Ideen sind zunächst einmal eine technische Aufgabe, für die es noch keine fertige Lösung gibt. Dann geht es darum, gemeinsam mit dem Auftraggeber herauszufinden, wie aus einer Vorstellung tatsächlich ein tragbares Schmuckstück werden kann.“
Ein Schmuckstück, das Geschichte überlebt hat
Neben den aktuellen Auftragsarbeiten bewahrt Köchert auch historische Schmuckstücke in seiner Sammlung. Eines davon ist eine Devant-de-Corsage nach einem Entwurf des Ringstraßen-Architekten Theophil von Hansen. Die Brosche hat eine Geschichte hinter sich, die von der Monarchie bis weit ins 20. Jahrhundert reicht.
Die Brosche befand sich einst im Besitz von Kaiserin Elisabeth, die sie später verschenkte. Die Nachfahren der Familie vergruben das Schmuckstück in den Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst nach dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde es wiedergefunden. Heute befindet es sich in der Sammlung von Köchert.
„Einerseits ist es stilistisch ein ganz besonderes Stück. Und andererseits hat es eine ganz besondere Geschichte hinter sich“, sagt Florian Köchert. Für ihn ist die Brosche ein „Zeitzeuge politisch unruhiger Zeiten und Umbrüche“.
Und sie wäre auch seine Wahl, wenn er nur ein Schmuckstück aus der Geschichte des Hauses retten dürfte, wäre da nicht das verschollene Sternset von Kaiserin Elisabeth.
„Wüsste man, wo sich das berühmte Sternset Kaiserin Elisabeths heute befindet, dann wäre das zweifellos an vorderster Stelle.“
Sisis Sterne gibt es noch immer
Die 27 Originalsterne sind verschollen. Aber die Sterne selbst sind bei Köchert keineswegs Geschichte. Das Haus fertigt sie bis heute nach den überlieferten Vorbildern in verschiedenen Größen und Ausführungen. Aus dem einstigen Haarschmuck der Kaiserin sind so Broschen, Anhänger, Haarnadeln und Ohrschmuck geworden. Wer heute einen solchen Stern trägt, besitzt damit natürlich kein Stück aus Elisabeths ursprünglichem Set. Aber er trägt ein Schmuckstück, dessen Geschichte bis zu jener Kaiserin zurückreicht, die es einst berühmt gemacht hat.

Für Florian Köchert ist genau diese Langlebigkeit entscheidend, wenn es darum geht, was ein Schmuckstück zu einem „echten Köchert“ macht:
„Die Tatsache, dass es mit Hingabe und Präzision gefertigt wurde und auch nach vielen Jahren noch dem kritischen Blick mit seiner zeitlosen Schönheit genügt.“




Sisis Sterne in vielen Varianten: Ohrhänger, Diadem, Kette und die Replik des historischen 27-Sterne-Sets zeigen, wie vielseitig das berühmte Design bis heute getragen wird. © A.E. Köchert