Am 6., 8. und 12. Mai 2026 öffnen sich die Tore des Buckingham Palace für eines der elegantesten gesellschaftlichen Rituale Großbritanniens: die royalen Garden Parties. Damen mit Hüten, Herren in Morning Coats, Silbertabletts mit Tee und Scones und eine Kulisse, die aussieht, als sei sie direkt einem Gemälde entsprungen.

Doch so selbstverständlich die grüne Kulisse wirkt, so wenig ist sie dem Zufall überlassen. Der Garten des Buckingham Palace ist kein romantisches Naturidyll, sondern ein hochprofessionell gepflegter Ort. Und wie nahezu jeder Bereich des königlichen Alltags wird auch er von einem Netzwerk spezialisierter Hoflieferanten getragen. Oft denkt man bei Royal Warrant Holders zunächst an Schneider, Porzellanmanufakturen oder Feinkostproduzenten. Weniger präsent ist, dass es die Auszeichnung ebenso für Saatgut, Pflanzen, Dünger, Holz oder Gartengestaltung gibt. Denn auch ein königlicher Garten beginnt eben mit sehr profanen Fragen: Welche Samen? Welche Erde? Welche Pflanzen? Und wer liefert Zäune, Tore oder Holz, die Jahrzehnte überdauern sollen?

Eintreffen der Gäste zu einer traditionellen Gartenparty im Buckingham Palace © Shutterstock, InkDrop

Saatgut mit königlichem Stammbaum

Ein Beispiel dafür ist Suttons. Das Unternehmen versorgt seit über zwei Jahrhunderten Gärtner, Institutionen und private Haushalte mit Blumen- und Gemüsesamen und ist bereits seit 1871 offizieller Hoflieferant der britischen Krone. Heute betreibt Suttons einen großen torffreien Pflanzenanbau in Devon.

Einen stark ökologisch geprägten Ansatz verfolgt auch Emorsgate Seeds. Das Unternehmen kultiviert Saatgut heimischer Wildblumen und Gräser für die Wiederherstellung artenreicher Landschaften. Biodiversität, Renaturierung und langfristige Ökologie stehen hier im Vordergrund – Themen, die auch für königliche Liegenschaften eine wichtige Rolle spielen.

Auch die Außenanlagen von Schloss Windsor sind das Ergebnis sorgfältiger Pflege, präziser Planung und erfahrener Gartenarchitektur © Shutterstock, Piotr Wawrzyniuk

Gestaltete Natur statt Zufall

Formale Gärten wie jene des Buckingham Palace leben von Struktur, Wiedererkennbarkeit und saisonaler Präzision. Gärtnereien wie Blackmore & Langdon, bekannt für ihre gezüchteten Rittersporne und Ausstellungsbegonien, stehen für genau diese kontrollierte Ästhetik. Gegründet 1901, hat sich das Unternehmen auf Pflanzen spezialisiert, die nicht zufällig wirken, sondern gezielt Akzente setzen.

Ähnlich verhält es sich mit Hillier Nurseries, deren Name untrennbar mit britischer Gartenkultur verbunden ist. Seit über 160 Jahren produziert Hillier Bäume, Sträucher und Stauden für öffentliche Anlagen, Parks und repräsentative Gärten. Mit 74 Goldmedaillen bei der RHS Chelsea Flower Show gehört Hillier zu den am häufigsten ausgezeichneten Baumschulen Großbritanniens.

Das Fundament der Schönheit

Mindestens ebenso entscheidend wie das Sichtbare ist das, was unter der Oberfläche liegt. Greenvale Farms liefert seit Jahrzehnten organische, von der Soil Association zertifizierte Düngemittel, die auch in den königlichen Gärten eingesetzt werden und die Böden langfristig gesund halten.

Ihre Form geben den Gärten wiederum Unternehmen wie Calders and Grandidge. Seit 1820 produziert der Betrieb Holzprodukte wie Zäune, Tore und Konstruktionen für den Außenbereich. Dinge, die selten im Mittelpunkt stehen, aber darüber entscheiden, ob ein Garten über Jahre hinweg seine Ordnung behält.

Tor- und Zaunarchitektur des Buckingham Palace mit Fahnen und Rosengarten an einem Sommertag ©Shutterstock, Kristi Blokhin

Wo Gartenbau zur Handschrift wird

Dass königliche Gärten nicht nur gepflegt, sondern auch gedacht werden, zeigt die Arbeit von Julian und Isabel Bannerman. Seit 1983 entwerfen sie gemeinsam Gärten und Gartenarchitekturen. 2023 wurden sie vom House & Garden Magazine zu den Designers of the Year gekürt, ein Jahr später erhielten sie den Royal Warrant von König Charles. Die Bannermans haben auch in Highgrove gearbeitet, jenem Garten, der besonders eng mit König Charles verbunden ist.

Warum im Buckingham Palace nichts dem Zufall überlassen bleibt

Wenn im Mai also wieder Tausende Gäste durch die Gärten des Buckingham Palace flanieren, sehen sie das Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels aus Planung, Pflege und Lieferketten. Jeder Rasen, jede Staude und jede Gartenstruktur ist das Resultat konkreter Entscheidungen und konkreter Lieferanten, die seit Jahrzehnten für den britischen Hof arbeiten. Oder anders gesagt: Im Garten des Buckingham Palace wächst nichts „einfach so“.