Seien wir ehrlich: Oberhemden unterscheiden sich auf den ersten Blick kaum. Sie wirken wie Variationen eines einzigen Grundmodells. Haifischkragen, Button-down, Kent. Mit Manschette oder ohne. Weiß, hellblau, gestreift. Ob im Kaufhaus, online oder beim Maßschneider, vieles wirkt austauschbar. Ein Hemd ist eben ein Hemd.
Und dann gibt es diese seltenen Ausnahmen. Brands, bei denen man plötzlich merkt: Doch, es gibt Unterschiede. Und zwar nicht nur auf dem Papier oder im Marketing, sondern beim Tragen. Turnbull & Asser ist so ein Fall.
Gegründet 1885 in London, war das Haus schon immer der Meinung, dass echter Stil keine lauten Logos braucht. Während andere Marken zu jeder Saison einen neuen Trend setzen wollen, konzentriert man sich hier auf das klassische Handwerk: die Haptik des Stoffes, die Architektur des Kragens, die präzise Platzierung der Perlmuttknöpfe, das Zusammenspiel von Schnitt und Manschette und natürlich das Gefühl, wenn man das Hemd morgens zuknöpft.
Man sagt, wer einmal ein Turnbull-Hemd getragen hat, entwickelt eine gewisse Intoleranz gegenüber Durchschnittsware. Es ist der „If you know, you know“-Faktor. Das Hemd sitzt nicht nur, es performt! Auch nach einem langen Tag im Office oder einem transatlantischen Flug.
Zwischen Buckingham Palace und Bond-Set
Die Historie ist imposant. 1980 verlieh der damalige Prince of Wales – heute King Charles III. – dem Haus den ersten Royal Warrant. Auch zu seiner Krönung trug der Monarch ein handgefertigtes Exemplar von Turnbull & Asser. Dass auch James Bond seit Jahrzehnten auf diese Hemden setzt, ist kein Zufall und auch Mick Jagger schwört auf sie. Genauso wie Harrison Ford und einst Robert Redford. Die Hemden passen mühelos in alle Lebenslagen: vom Boardroom über die Bühne bis an die Bar.

Präzision statt Neuerfindung
Doch wie bringt man 140 Jahre Tradition ins Jahr 2026? Man holt jemanden wie Roberto Menichetti. Der Designer prägte zuvor Marken wie Jil Sander und war entscheidend an der Renaissance von Burberry beteiligt, wo er ikonische Elemente wie das Karomuster zeitgemäß übersetzte. Seit ein paar Wochen ist er neuer Creative Director bei Turnbull & Asser.
Seine Aufgabe ist anspruchsvoll: ein Haus zu modernisieren, dessen größte Stärke die Beständigkeit ist. Gut, dass Menichetti kein Fan radikaler Umbrüche, sondern ein Perfektionist der Details ist. Unter seiner Führung wird das Portfolio wahrscheinlich ein leises, souveränes Upgrade erfahren: modernere, lockerere Silhouetten, Kragen und Manschetten in perfekter Balance, ausgewählte Stoffe und ein noch angenehmeres Tragegefühl.

Investment statt Konsum
Letztendlich zeigt Turnbull & Asser, worum es im echten Luxus geht: Qualität, die man sofort spürt und die über Jahre hält. Ein Hemd, das sich von der Masse abhebt, seine Form behält und Vertrauen in die eigene Garderobe schafft. Wer Turnbull & Asser trägt, entscheidet sich nicht für ein Logo, sondern für eine klare Haltung. Der Unterschied zeigt sich nicht im Spiegel oder in Minuten, sondern im Alltag, über Stunden!