Hand aufs Herz: Was wäre ein Neujahrsmorgen ohne das obligatorische Marzipanschwein auf dem Frühstücksteller? Es ist rosa, es ist süß und es verspricht uns, dass im nächsten Jahr alles besser wird. Doch hinter dem kleinen Glücksbringer von Niederegger steckt weit mehr als nur Zucker und Mandeln. Es ist eine Geschichte von kaiserlichem Glanz und uralter Symbolik.
Warum eigentlich ein Schwein?
Die Frage ist berechtigt. Das Schwein als Glückssymbol wirkt auf den ersten Blick ein wenig schräg, seine Geschichte ist jedoch erstaunlich alt. Schon in der Antike taucht das Schwein als Sinnbild für unerwartetes Glück auf. Bei Wettkämpfen oder Spielen bekam nicht nur der Sieger einen Preis. Manchmal erhielt auch der Letztplatzierte ein Schwein – als Trostpreis.
Kein Ruhm, kein Applaus, aber etwas Wertvolles: Nahrung, Sicherheit, ein kleines Weiterkommen. Aus dieser Idee entwickelte sich über die Jahrhunderte die Bedeutung des Schweins als Zeichen für Glück im Unglück und schließlich die Redewendung „Schwein gehabt“. Ein Symbol also für genau das, was wir uns zum Jahreswechsel wünschen: Dass selbst dann etwas Gutes passiert, wenn nicht alles nach Plan läuft.
Marzipan war nie Alltagsware
Dieses bodenständige Symbol traf irgendwann auf einen ziemlich exklusiven Rohstoff. Denn während das Schwein vom Trostpreis zum Glücksbringer aufstieg, war Marzipan lange alles andere als alltäglich. Mandeln, Zucker, Handarbeit, das war Luxus! Kein Snack für zwischendurch, sondern eine Süßigkeit mit Status. Entsprechend früh fand Marzipan seinen Weg an die europäischen Höfe.
Niederegger, gegründet 1806 in Lübeck, verstand diese Kunst wie kaum ein anderes Haus. Die Rezeptur mit hohem Mandelanteil und wenig Zucker setzte Maßstäbe. Qualität, die auffiel, und schließlich auch ausgezeichnet wurde.

1908: Niederegger wird Hoflieferant des Kaisers
Im Jahr 1908 erhielt Niederegger den Titel Hoflieferant Seiner Majestät des Deutschen Kaisers. Ein Prädikat, das nicht leichtfertig vergeben wurde. Hoflieferant zu sein bedeutete: konstant höchste Qualität, Verlässlichkeit und Produkte, die dem Anspruch des Hofes entsprachen und ihn repräsentierten. Der Titel war weniger Marketing als vielmehr ein Gütesiegel. Wer den Kaiser belieferte, musste liefern können. Punkt. Dass ein Marzipanhersteller diesen Titel trug, zeigt, welchen Stellenwert feine Süßwaren damals hatten. Genuss war Teil höfischer Kultur.
Vom Hof an den Silvestertisch
Heute braucht es keinen Kaiser mehr, um gutes Marzipan zu erkennen. Aber die Tradition lebt weiter. Besonders zum Jahreswechsel. Bei Niederegger kommt es ohne Kitsch aus. Keine übertriebene Dekoration, kein Zuckerschock, sondern klare Formen, feines Marzipan und handwerkliche Präzision.
Ein Glücksbringer ohne große Worte
Eigentlich ist es ganz einfach: Das Marzipanschwein ist das ultimative Understatement. Man verschenkt es, wünscht „Viel Glück“ und das war’s. Dass hinter dem kleinen Glücksbringer eine Marke steht, die einst den Kaiser belieferte, gibt der Geschichte einen feinen Glamour-Faktor. Wer braucht schon Gold und Samt, wenn er kaiserliches Marzipan haben kann? Ein bisschen Tradition, viel Geschmack und die perfekte Portion Glück für das neue Jahr. In diesem Sinne: Schwein gehabt!
