Ein Lavendelsäckchen aus feinster Stickerei, kunstvoll bestickte Kissen, elegante Tischwäsche oder handgefertigte Weihnachtsbaumanhänger – auf den ersten Blick wirken die Produkte von Fine Cell Work wie luxuriöse Designobjekte aus einer exklusiven britischen Manufaktur. Tatsächlich entstehen viele dieser Stücke jedoch hinter Gefängnismauern.
Jetzt erhält die britische Wohltätigkeitsorganisation eine ganz besondere Anerkennung: Queen Camilla hat Fine Cell Work mit einem Royal Warrant ausgezeichnet. Für die Organisation ist die Auszeichnung weit mehr als ein Prestige-Titel. Sie ist auch ein starkes Zeichen für die gesellschaftliche Bedeutung der Arbeit, die Fine Cell Work seit fast drei Jahrzehnten leistet.
Die Geschichte hinter Fine Cell Work
Gegründet wurde Fine Cell Work von Lady Anne Tree, der Schwiegertochter von Nancy Lancaster, die in den 1970er-Jahren das renommierte britische Einrichtungshaus Colefax and Fowler besaß.
1975 initiierte Anne Tree ein außergewöhnliches Projekt: Insassinnen des Frauengefängnisses HMP Holloway fertigten in aufwendiger Handarbeit zwei große Needlepoint-Teppiche an, die später über Colefax and Fowler für hohe Summen an Kund:innen in New York verkauft wurden.
Für Anne Tree wurde dieses Projekt zum Wendepunkt. Sie erkannte nicht nur das kreative Talent und die Präzision der Gefangenen, sondern auch die enorme Bedeutung sinnvoller Arbeit für Selbstwertgefühl und Zukunftsperspektiven. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, dass die Frauen trotz ihrer Arbeit keinen Lohn erhalten durften.
Über viele Jahre setzte sie sich deshalb dafür ein, dass Gefangene für kreative Arbeit bezahlt werden können. Anfang der 1990er-Jahre wurde schließlich die rechtliche Grundlage geschaffen und 1997 entstand daraus Fine Cell Work.









Das Sortiment umfasst Kissen, Taschen, Anhänger, Lampenschirme, Tabletts und vieles mehr © Fine Cell Work
Design, Handwerk und ein Neuanfang
Heute arbeitet Fine Cell Work jedes Jahr mit rund 600 Gefangenen und ehemaligen Inhaftierten zusammen. Die Teilnehmer:innen lernen hochwertige Sticktechniken und fertigen Produkte an, die später über den eigenen Webshop verkauft werden.
Viele der Entwürfe entstehen in Zusammenarbeit mit bekannten britischen Kreativen wie Cath Kidston, Kit Kemp oder Cressida Bell. Produziert wird größtenteils in britischen Gefängnissen sowie in einem Atelier für ehemalige Inhaftierte im Londoner Stadtteil Battersea.
Hinter den luxuriösen Produkten steckt vor allem ein sozialer Gedanke. Fine Cell Work möchte Menschen nach der Haft den Weg zurück in ein selbstbestimmtes, straffreies Leben erleichtern – durch Arbeit, Einkommen, Verantwortung und neue Perspektiven.
Geschäftsführerin Victoria Gillies bezeichnet die Auszeichnung als besondere Würdigung der Menschen hinter den Produkten:
„Wir fühlen uns geehrt und freuen uns sehr über diese Auszeichnung.“ Besonders wichtig sei die Anerkennung der Fähigkeiten der Sticker:innen und „der Glaube Ihrer Majestäten an den sozialen Wert unserer Arbeit“.
Wie emotional die Ehrung auch innerhalb der Gefängnisse aufgenommen wurde, zeigt ein Zitat einer beteiligten Stickerin:
„Jeder einzelne Stich hinter Gittern hat diesen Moment möglich gemacht. Es zeigt uns, dass unsere Arbeit gut genug ist – und dass wir gut genug sind.“
Fine Cell Work setzt damit ein bemerkenswertes Zeichen: Handarbeit kann weit mehr sein als nur ein Hobby. Für viele wird sie zu einer echten zweiten Chance.